Willkommen bei Blumen für Stukenbrock

Antikriegstag 2021 Stukenbrock

Begrüßung durch Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK

Mahn- und Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK am 4. September 2021  

 

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, verehrte Anwesende, 

ich begrüße euch zu der diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung hier auf dem Gräberfeld sowjetischerKriegsgefangener in Stukenbrock-Senne. 

Vor wenigen Wochen, am 22. Juni jährte sich zum 80. Mal der völkerrechtwidrige Angriff der deutschen Wehrmacht auf die UdSSR. Wir stehen hier am Gräberfeld von 65.000 Toten der Roten Armee, deren Leidensweg mit oftmals mit diesem Tag begonnen hat. 

Über 50 Millionen Menschen fanden in diesem von Deutschland begonnen Krieg den Tod, darunter rund 27 Millionen sowjetische Menschen. Zu ihnen gehören auch die 65.000 Gefangenen, die im Lager Stukenbrock elend zugrunde gingen. Maßloses Elend, Flucht und die Zerstörung ganzer Städte und Dörfer waren das Ergebnis diese Krieges. 

So wie wir an ihr Leid und an ihren Tod erinnern, gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die im 2. Weltkrieg und den vielen Kriege danach, bis in die aktuelle Gegenwart ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu verdammen! 

In unserem Aufruf zur diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung formulieren wir: "Die geplante Gedenkstätte von nationaler Bedeutung in Stukenbrock, die die Verbrechen der Wehrmacht verdeutlicht, die das Leiden der Gefangenen für die Besucher erlebbar macht und die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung vom Hitler-Faschismus würdigt, sollte ein deutliches Zeichen sein, aus der Vergangenheit zu lernen". 

Es ist nicht statthaft, all diese Menschen zu Opfern "aller Diktaturen des 20. Jahrhunderts" zu machen, wie das von Elmar Brook, einem Mitglied des Lenkungsausschusses, gefordert wird. (s. Neue Westfälische vom 31.12.2020) Eine solche Aussage ist eine eindeutige Geschichtsfälschung. 

Vielmehr muss die Gedenkstätte eine Einrichtung werden, die der antifaschistischen Mahnung und Gedenkens an die Verbrechen des deutschen Faschismus dient und sie soll eine Stätte der öffentlichen Bildung sein.  

Mittelpunkt dabei ist die Darstellung der verbrecherischen Politik des Regimes nach innen und seiner Kriegsziele, die einhergingen mit einer Politik der Vernichtung der Juden und der Versklavung der Völker des Ostens, vor allem der Menschen in der UdSSR. In schriftlichen und bildlichen Darstellungen des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion ist Rolle der Wehrmacht bei den Verbrechen an den Fronten und an den Kriegsgefangenen herauszustellen. 

Der Umgang mit den Opfern und mit dem sowjetischen Kriegsgefangenenlager Stalag 326 in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist bis heute geprägt von Verleugnung, Verschweigen und Verharmlosung. Daher ist zu klären, welche Rolle in der Nachkriegszeit der Antikommunismus und der damit einhergehende Kalte Krieg spielte, der im Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise auch nach 1945 noch weit verbreitet war und auch noch heute spürbar ist. Wie ist sonst die jahrzehntelange Weigerung von Bundestag und Bundesregierung zu erklären, den Überlebenden der Kriegsgefangenschaft eine Entschädigung zu zahlen. Erst im Jahre 2015 erhielten einige der noch Lebenden einen Betrag über 2.500 €. 

In Verantwortung des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK gibt es seit 1967 gibt alljährlich anlässlich des Antikriegstages am ersten Wochenende im September auf dem Friedhof eindrucksvolle Mahn- und Gedenkveranstaltungen, die auch im Ausland große Beachtung fanden. Botschafter und Gesandte wie Delegationen aus mehreren Ländern, darunter Überlebende des Lagers nahmen daran teil. 

Alle Reden, Aussagen und Handlungen waren stets darauf gerichtet, dass nie vergessen wird, was in Stukenbrock geschah und das alles getan werden muss, neuen Faschismus und Kriege zu verhindern. Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bevölkerungskreisen hielten die Gedenkreden.  

Ich meine, dass viele unserer Begegnungen mit den Überlebenden es wert sind, in der Gedenkstätte dokumentiert zu werden. 

Eine Gedenkstätte, die der antifaschistischen Mahnung und Gedenkens an die Verbrechen des deutschen Faschismus dient. Sie soll eine Stätte der öffentlichen Bildung sein.  

Danke für eure Aufmerksamkeit!  

 

 

 

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