Willkommen bei Blumen für Stukenbrock

Antikriegstag 2020 Stukenbrock

Begrüßung durch Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK

Mahn- und Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK am 5. September 2020  

 

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, verehrte Anwesende, 

ich begrüße euch zu der diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung hier auf dem Gräberfeld sowjetischerKriegsgefangener in Stukenbrock-Senne. 

In diesem jährt sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung vom Faschismus. Offizielles Gedenken und politischeWirklichkeit spiegeln das kaum wieder. Das gilt auch für den 8. Mai. Im kollektiven Bewusstsein der Deutschen istdieser Tag als der Tag des Kriegsendes verankert. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen war mit keinemanderem Regime so verbunden wie mit dem Naziregime. Wie sollten sie da seinen Untergang als Befreiungempfinden. 

Befreit gefühlt haben sich 1945 die wenigen, die im Widerstand waren, die politischen Häftlinge in denGefängnissen und Konzentrationslagern und die vielen anderen Opfer der nationalsozialistischenGewaltherrschaft. So auch die annähernd 10.000 Gefangene des sowjetischen Kriegsgefangenenlager Stalag 326,die bereits am 2. April 1945 befreit wurden. 

Über 50 Millionen Menschen fanden in diesem von Deutschland begonnen Krieg den Tod, darunter rund 27Millionen sowjetische Menschen. Zu ihnen gehören auch die 65.000 Gefangenen, die im Lager Stukenbrock elendzugrunde gingen. Maßloses Elend, Flucht und die Zerstörung ganzer Städte und Dörfer waren das Ergebnis dieseKrieges. 

So wie wir an ihr Leid und an ihren Tod erinnern, gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die im 2. Weltkriegund den vielen Kriege danach, bis in die aktuelle Gegenwart ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnenuns, Kriege als Mittel der Politik zu verdammen! 

Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken. 

Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragenhatte, sind und bleiben auch unsere Befreierinnen und Befreier. Doch das aber scheinen einflussreiche Kreise inunserem Land vergessen machen zu wollen. 

Zu Fragen ist, warum nach den furchtbaren Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg und dem Leid, das durch deutscheSchuld den Menschen in der ehemaligen Sowjetunion zugefügt wurde, die Freundschaft zu den Menschen inRussland nicht zu einer Staatsdoktrin unseres Landes wird, wie das nach den Morden an sechs Millionen Judendurch Deutsche im Falle mit dem jüdischen Volk ist. 

Es ist geschichtsvergessen und des Revanchismus verdächtig, wenn nun erneut Weltmachtgelüste die deutschePolitik bestimmen und Aufrüstung und Militärmanöver von Russland erneut als Bedrohung empfunden werdenmüssen. Frieden geht nur mit Russland, nicht gegen Russland. 

Im Aufruf der Gedenkstätte Buchenwald zum 75. Jahrestag der Befreiung diese Konzentrationslagers wird bezogenauf die aktuelle Lage in 2020 gefragt: "Endlich alles vorbei?" 

Die Früchte des 8. Mai sind stets gefährdet. Rassismus, Nationalismus, Chauvinismus, Antisemitismus undAntiziganismus,- alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicherAusgrenzung haben Konjunktur. Die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angstvor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immerweiter eingeschränkt werden. Die "Erfolge" der rechten Parteien hat den politischen Diskurs nach rechtsverschoben. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig Teile unserer Gesellschaft Geflüchteten gegenübertritt undgewaltsame Übergriffe duldet. NSU, Lübke-Mord, der Anschlag von Halle, Neofaschistinnen und Neofaschisten inPolizei, Spezialeinheiten und Bundeswehr zeigen die Verstrickung der Rechten bis in staatliche Strukturen hinein.Jüngstes Beispiel ist der Uniter e.V., ein Verein, dem die Bildung einer rechtsextremen Schattenarmee und besteKontakte zum Verfassungsschutz nachgesagt werden. 

Der rasante Aufstieg nationalistischer, rechter und neofaschistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländernverlangt entschiedene Gegenwehr. 

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder, stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens: "Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen" als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, zum Beispiel im Irak, in Syrien, in der Ukraine, im Jemen und Mali toben Kriege. In Südamerika putscht die Rechte gegen linke Regierungen und bringt, wie in Brasilien, Faschisten an die Macht. Wieder sind deutsche Waffen - und oft auch deutsches Militär - beteiligt. Die Bereitschaft, "deutsche Interessen" erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Regierung und Bundestag wieder politische Praxis geworden. 

Frieden und Demokratie sind heute nicht sicher! Der Tag der Befreiung von Krieg und Faschismus, der 8. Mai,sollte uns allen, vor allem den Verantwortlichen in der Politik und der Wirtschaft, Anlass zu erhöhter Wachsamkeitsein. Der 8. Mai muss bundesweit zu einem gesetzlichen Feiertag werden. 

75 Jahre nach der Befreiung muss es heißen: Alles für den Frieden!  

 

 

Ein Video der Ansprache von Eugen Drewermann finden Sie bei youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=HKgHEViTioI

 

 

 

 

© 2019 Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock e.V.